Mittwoch, 29. Juni 2011
woche zwanzig und ein und zwanzig
Mittwoch, 15. Juni 2011
woche neunzehn
3. 3. 2007, Hotel Imperial:
Liebes Tagebuch, die Situation mit Emanuel wird schön langsam untragbar. Just als ich heute meine Laudatio, am Kongress für südosteuropäische Frauenemanzipation, im Palais Eschenbach beginnen wollte, trat Emanuel die Tür zum kleinen Festsaal auf und flog bauchseits auf den Marmorboden. Es war widerlich, meine gute Freundin Netrebko brach in tränen aus der rest des Saals wandte den Blick beschähmt zu Boden. Emanuel der volltrunken im Schlepptau dreier rumänischer Teenager-Stricher aufkreuzte forderte den Festsaal zum gemeinsamen Geschlechtsverkehr auf. Er brabbelte lautstark die Worte: Gang Bang! Gang Bang! vor sich hin und machte dabei obszöne Bewegungen mit seinem Becken und zeigte mit dem Finger auf meinen guten Freund aus UN-Zeiten Butros Butros Gahli. Es war widerwertig. Ich versuche Kraft im verfassen meiner umfangreichen Horkheimer Biographie zu finden die, tok tok tok, in Bälde in der Akademie der Wissenschaften vorgestellt wird.
3. 3. 2007, Hotel Imperial:
Liebes Tagebuch, ich muss leise schreiben. Ich sitze eingesperrt im stockfinsteren Badezimmer. Zum Glück habe ich bei meinen Chinaaufenthalten von meinem guten Freund Huangbo Xiyun die Kunst des Chan-Buddhistischen Blindschreibens erlernt. Alexander schläft jetzt. Kein Wunder, hat er doch die ganze Nacht versucht den Rekord im Weitonanieren zu brechen. Die zwei 17-jährigen, griechischen UNO-Soldaten auf Urlaub, die sich Alexander zum Aufgeilen auf der Kärntnerstrasse aufgegabelt hat, liegen verängstigt und nackt unter dem Bett. Es ist der einzige Ort im Zimmer der noch nicht von seinen klebrigen Körperflüssigkeiten benetzt ist. Irgendwie muss er es auch geschafft haben einen Kurzschluss zu verursachen. Der ganze Stock ist ohne Strom und als der Hoteltechniker das Zimmer untersuchen wollte, gröhlte Alexander nur, solange er den Weltrekord nicht gebrochen habe, und nicht mindestens eine Onaniertechnik nach ihm benannt sei, werde niemand das Zimmer Verlassen oder Betreten. Wie peinlich für mich, gastiert doch mein alter Freund Vaclav Havel im Nachbarzimmer, mit dem ich morgen unser Buch über die Situation der Invalidenrentner im tschechoslowakischen Raum in der Wiener Hofburg präsentieren werde. Ich werde nun versuchen in der Nadabrahma-Meditation wieder innere Ruhe zu finden. Durch Alexanders lautes Trampeln beim Anlaufnehmen habe ich die ganze Nacht kein Auge zugetan.
4. 3. 2007, Hotel Marriot:
Wieviel Schahm kann ein Menschenleben ertragen? Frage ich dich liebes Tagebuch. Meine heutige Prosalesung "Das Wienermädl und der lustige Fiaker" im Rahmen der Mittagsmatinee im Konzerthaus wurde zum Fiasko. Das liebe Publikum hang mir an den Lippen und der Beifall war schon beim zweiten Vers meines Vortrags nahezu frenetisch. Just in dem Moment als ich meine launige Posse über das Wienermädl und dem lustigen fiaker zum Höhepunkt kommen lassen wollte, das Publikum voll im Griff, ja da passierte es.... wiedereinmal..... Emanuel der jetzt eine Gruppe balinesischer halbstarker Mod's um sich gescharrt hat, stieß die prunkvolle Tür des Konzertsaals auf und viel bauchseits auf das Festparkett. Die schmierigen balinesischen Jugendlichen aus seiner Gang: "Gang Bang" - wie er diese Ansammlung gescheiterter Existenzen nennt, halfen ihm auf die unrasierten Beine. Emanuel, der sich als Anführer der Gang nun fortan den stupiden Namen Lumpi gibt, schrie wie am Spieß die Worte: Nackte Weiber, Nackte Weiber ham die allergeilsten Leiber!! Anschließend berührte er alle Damen im Saal unsittlich. Meine liebe Freundin die Kulturstadträtin welche mir zum heutigen Anlass eine Ausgabe meines neuesten Prosawerks in Marzipan geschenkt hatte, war den Tränen nahe. Zum krönenden Höhepunkt viel Lumpi dann noch volltrunken in die Marzipan Prosa. Mein guter Freund der liebe Konditormeister Hollacek war am Boden zerstört als er sein Meisterwerk der Zuckerbäckerkunst zerstört unter dem ungewaschnen und übel riechenden Körper Emanuels liegen sah. Ich versuche Kraft im angeregten Briefwechsel mit Al Gore zu finden. Liebes Tagebuch wo wird dies noch alles Enden?
4. 3. 2007 Hotel Marriot:
Liebes Tagebuch, wäre ich des Fussschreibens nicht mächtig, könnte ich dir diese Zeilen nicht übermittelen. Ich sitze eingesperrt im Minitresor der Hotelzimmers, aus Angst vor diesem wildegwordenen Orang-Utan. Alexander hat sich doch gestern Nacht tatsächlich 3 kleinswüchsige bulgarische Zirkusartisten aus dem Zirkus Crone bestellt um mit ihnen nackt und zugekokst im Whirlpool Wasserball zu spielen. Jedes mal wenn Alexander ein Tor erzielt hat schrie er laut "La bomba è goal, La bomb è goal" und rieb sich dabei grinsend seinen bahaarten Wanst. Als das Spiel zu Ende war, torkelte er mit erigiertem Glied auf den Balkon und schrie lauthals durch ein Megaphon "Ich bin der Räuber Hotzenplotz und hab in jeder Fotz 'n Plotz!" zur Melodie der deutschen Bundeshymne. Zu guter letzt rief er noch zum Gruppenonanieren auf und gab bekannt, fortan nur noch "König la bomba" genannt werden zu wollen. Als wäre das nicht genug, übergab er sich in den Blumentrog, betrachtete sein Erbrochenes mit Stolz und schlief dann zufrieden ein. Ich selbst freue mich mein 134 seitiges Essay über Brahms 2. Symphonie in e-moll in Bälde fertig gestellt zu haben und werde morgen, so Gott will, dem Wiener Bürgermeister bei der von mir neu inszenierten Nabucco Oper von Verdi, meine Vorschläge zur Reformierung des Wiener Kulturreferats unterbreiten.
6. 3. 2007, Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski, München
Das fahle Licht eines Mobiltelefonbildschirms kann die wärmende Liebe einer Mutter nicht ersetzen. Diese Zeilen gingen mir während der Zugfahrt von Wien nach München heute durch den Kopf. Wobei Zugfahrt, liebes Tagebuch, wäre ein Hohn für diese noble Art des Reisens. Emanuel dreht jetzt völlig durch. Er hat mich und den lieben Hollacek gekidnapt. Nachdem er ja gestern die Mittagsmatinee im Festsaal in mein persönliches Waterloo verwandelt hatte, dachte ich tieferen Schmerz könne die Welt für mich nicht mehr bereit halten. Doch weit gefehlt. Der liebe Konditormeister Hollacek kam gesterns noch nächtens auf mein Zimmer um mir eine neue ausgabe meines Prosabandes in Marzipan zu überreichen. Nachdem Emanuel diese ja in seinem Wahn aus Psychose und Trunkenheit zerstörte. Just in dem Moment als der liebe Hollacek mir sein Meisterwerk überreichen wollte, trat Emanuel die schwere Flügeltür meiner Suite im Marriot auf und überrumpelte den lieben Hollacek und mich. Er packte mich und Wiens besten Konditormeister in einen großen schweren Eisenkoffer, verfrachtet uns im wahrsten Sinn des Wortes auf einen Güterzug mit dem er nach München reiste. Er schrie die ganze Fahrt lauthals: "Wir fahrn in Puff nach Barcelona olè olè olè Wir fahrn in Puff nach Barcelona." Emanuels katastrophaler geogarphischer Kentniss unseres schönen Kontinents zufolge und seiner Unfähigkeit Zugfahrpläne zu lesen, sind wir zum Glück in München und nicht in Barcelona gelandet. Manuel stieg in einem Stundenhotel mit dem zweifelhaften Namen "Pension Uschi" vor den Stadtoren Münchens ab. An der Rezeption grunzte er frenetisch "Muschi Muschi Muschi" vor sich hin und steigerte sich dabei selbst so sehr in Extase das er in eine Synkopie verviel. Der Concierge der Pension Uschi konnte den lieben Hollacek und mich in dieser Zeit befreien. Wobei ich bezweifle dass es sich bei der hilfsbereiten Person tatsächlich um einen Concierge handelte. Ich versuche nun bei meinem lieben alten Freund dem Direkter des Vier Jahres Zeiten mich durch das spielen der Laute von den Strapazen des heutigen Tages zu erholen. Emanuel der sich auf der Fahrt mit dem Güterzug mit einer Gruppe Güssinger Waldschweinen die zu Zuchtzwecken nach Bayern transportiert wurden, angefreundet hat nächtigt nach letzten Auskünften der Münchner Kripo mit diesen Waldschweinen in einem Gatter vor der Stadt. Ich hab von einer Strafanzeige abgesehn, vorerst liebes Tagebuch .... vorerst
6. 3. 2007, Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski, München
Liebes Tagebuch, ich bin dem Verzweifeln nahe. Ich war gerade mit unseren Österreichischen Bundesbahnen auf dem Weg nach München um dort mein neuestes Kammermusical im Müncher Stadttheater uraufzuführen. Meine Begleitung, die Deutsche Kulturstaatssekretärin Bernadette Kümmelschlurz-blechniere und ich, diskutierten gerade über meine bevorstehende Auszeichnung mit dem deutschen Kleinkunstpreis als sich eine tiefe, lallende Männerstimme im Lautsprecher meldete. Hier spreche der kleine Alexander, er habe heute Geburtstag, und fahre nach München um Steffen Hoffmann wieder zurück nach Wien zu holen. Dann forderte er die Passagiere mehrmals zur Gruppenonanie auf. Keine fünf Minuten später stolperte er auch schon, nur mit einem Rapid Leibchen bekleidet ins Abteil herein. Mit dabei hatte er einen seiner drei bulgarischen Freunde, der nur einen Bäckerhut auf hatte, und von oben bis unten mit Kokain bestäubt war. Der massiv behaarte Zirkusartist sah aus wie ein tolpatschiger Konditorlehrling. Alexander schniefte vor den Augen der ohnehin schon sehr peinlich berührten Frau Staatssekretärin das Kokain direkt aus dem Bauchnabel seines neuen Freundes. Er war gerade dabei die letzen Reste des Koks aus den tiefsten Tiefen der Achselhöhlen zu lecken als endlich die Polizei eingriff. In München musste ich Alexander wiedereinmal aus dem Gefängnis freikaufen. Ich hoffe zum letzten mal ... ich hoffe es.
Sonntag, 5. Juni 2011
woche achtzehn
"... Wahrscheinlich hätte es wenig gebraucht, und sie wären nie auf die Idee verfallen, ihr Zeug in die Welt zu setzen, ereiferte er sich, und ich schaute ihm zu, wie er stets von neuem Parmesan über seine Spaghetti streute und das Besteck beiseite legte, ohne zu essen, ein Abenteuer im richtigen Alter, ein paar Versuche mit einer Unschuld aus der Nachbarschaft, eine Affäre mit einer Tante, wenn es sein muß, und Ochsner wäre in Bruck an der Mur geblieben, Ladurner in seinem Nest in Osttirol, er wisse nicht einmal, wie es überhaupt heiße, entfuhr es ihm, und ohne sich darum zu scheren, wie lachhaft es war, behauptete er, Ochsner wäre der gleiche Geldsack wie sein Vater geworden, der gleiche Sklaventreiber, Ehrensenator seiner Alma mater, Ladurner ohne Zweifel Pfarrer, als Seminarist von einer Handvoll Honoratioren unterstützt, oder er hätte sich in ein Kloster zurückgezogen, in die Mission nach Afrika, ein winziger Zufall, war er sich sicher, eine Kleinigkeit, und sie wären nicht mit ihren Defiziten hausieren gegangen oder wenigstens so klug gewesen, sich damit nicht auch noch zu brüsten, er hob wie resigniert die Hände, es ist gekommen, wie es gekommen ist, und ließ sie sofort wieder sinken. ..."
Abonnieren
Posts (Atom)